Kinnkorrektur bei fliehendem Kinn: den Knochen verlagern oder etwas darauflegen?
Bei einem fliehenden Kinn steht meistens der Kinnknochen zu weit hinten. Über die passende Kinnkorrektur entscheidet diese Lage. Wie ein Kinnimplantat, eine Unterspritzung mit Hyaluronsäure oder eine Operation am Knochen klingt, spielt dabei keine Rolle.
Die meisten Patienten ordnen die drei Verfahren nach der Eingriffstiefe: zuerst Hyaluronsäure, dann das Implantat, zuletzt die Genioplastik. Diese Reihenfolge folgt dem Aufwand, obwohl der Befund häufig in einer Ebene sitzt, die das so gewählte Verfahren gar nicht erreicht.
Der Kinnknochen steht in drei Ebenen: vorn und hinten, oben und unten, links und rechts. Dazu kommt seine Breite, und damit sind es vier Befunde, von denen ein zurückliegendes Kinn nur einer ist. Erst wenn alle vier bekannt sind, lässt sich ein Verfahren wählen.
Kinnimplantat und Hyaluronsäure bauen ausschließlich nach vorn auf, und beide liegen dabei auf lebendem Knochen. Die Genioplastik, also die operative Kinnkorrektur am Knochen selbst, verlagert das untere Kinnsegment in jede Richtung. Nach einer Vorverlagerung folgen die Weichteile dem Knochen mit rund 0,9 mm je Millimeter, um den das Segment nach vorn geht. Unter einem aufgelegten Implantat verändert sich der Knochen: In einer Fernröntgen-Verlaufsserie mit 85 Silikon-Kinnimplantaten zeigte über die Hälfte der Patienten einen Knochenabbau darunter.
Muss der Kinnknochen verlagert werden, oder genügt es, etwas darauf zu legen?
Entschieden wird das anhand von vier Messungen am Knochen, und die kommen zuerst, lange bevor ein Produktname fällt. Liegt das Kinn hinter seiner Sollposition, und ist es zu lang oder zu kurz? Ist es zu breit, und liegt sein Mittelpunkt auf der Mittellinie?
Drei Befunde verlangen drei verschiedene Lösungen, und ein Kinnimplantat deckt davon eine ab, nämlich die Rücklage von wenigen Millimetern nach vorn. Hyaluronsäure kommt nur bei einer kleineren Rücklage derselben Art infrage, und die Osteotomie kommt an alle vier Befunde heran, weil sie den Knochen selbst bewegt.

Im zweiten Schritt kommt der Biss dazu, denn ein kleines Kinn ist manchmal das Ende eines insgesamt zurückliegenden Unterkiefers. Eine Retrogenie, also ein kleines Kinn bei sonst regelrecht stehendem Unterkiefer, gilt als eigenständige Diagnose gegenüber der Retrognathie, bei der der ganze Unterkiefer hinter dem Oberkiefer steht.
Unterscheiden lässt sich beides am Biss: Trifft die Zahnreihe regelrecht aufeinander und wirkt das Kinn trotzdem schwach, ist es ein Kinnproblem. Stehen die unteren Frontzähne bei einem Klasse-II-Biss deutlich hinter den oberen, ist es ein Kieferproblem, und eine Kinnoperation bleibt dann ein Kompromiss, den der Patient bewusst wählen muss. Diese Einordnung ergibt sich aus dem Biss selbst; eine publizierte Regel dafür gibt es nicht.
Die dritte Frage gilt dem Lippenschluss. Bei manchen Patienten schließen die Lippen nur, wenn der Mentalis (Musculus mentalis, der Kinnmuskel) anspannt, und die Kinnhaut dellt dabei sichtbar ein; man spricht dann von einer Lippeninkompetenz. In einer Fallserie mit sechs Patienten, deren Silikonimplantate korrekt saßen, gingen vorbestehende labiale Inkompetenz und Mentalis-Hyperaktivität mit einem fortschreitenden Knochenabbau einher. Vier der sechs erreichten Grad III, und bei einem lagen Zahnwurzeln frei. Die Autoren empfahlen bei diesem Befund eine Alternative zum Implantat. Muss ein Implantat deswegen heraus, stellt die osteoplastische Genioplastik die Kontur wieder her.
Was passiert mit dem Knochen unter einem Kinnimplantat?
Der Knochen unter einem Kinnimplantat remodelliert und bildet mit der Zeit eine flache Mulde. Ein verlagertes Kinnsegment bleibt dagegen weitgehend dort, wo es verschraubt wurde.

Wie tief baut sich der Knochen unter einem Kinnimplantat ab?
Der Knochenabbau unter einem Kinnimplantat ist häufig, meist gering und klinisch stumm, und umstritten ist nur, was er bedeutet. Schon in der Fernröntgen-Serie von 1976 veränderte sich das Weichteilprofil bei den Patienten mit Abbau nicht, und über dickem Basalknochen baute sich weniger ab als über Alveolarknochen.
Fünfzehn Patienten wurden mindestens ein Jahr nach einem intraoral eingesetzten Silikonimplantat geröntgt: Vierzehn zeigten einen Abbau, der tiefste 2,0 mm, und keiner hatte Beschwerden. In einer systematischen Übersichtsarbeit über 28 Patientenstudien zeigte sich der Befund über alle Materialien hinweg, in den meisten Studien mit einem Mittelwert unter 2 mm binnen fünf Jahren. Bei längerer Nachbeobachtung fiel er tiefer aus.
Wie tief der Abbau wird, hängt von Weichteilen und Knochen ab, und eine CT-Studie verglich dazu 105 implantierte Kinne mit 108 Kontrollen. Bei den Kinnen mit Abbau fanden die Autoren einen dickeren Mentalis (6,35 gegenüber 5,73 mm) und eine dünnere Kortikalis (3,25 gegenüber 5,22 mm). Silikon war anfälliger als poröses Polyethylen, und oberhalb des Basalknochens gesetzte Implantate lösten den Abbau eher aus. In einer randomisierten Studie an zehn Hunden trat der Abbau unter jedem Implantat auf, unabhängig von der Ebene. Bei Kindern mit Down-Syndrom, die Silikonimplantate an drei Stellen erhielten, baute sich der Knochen nur am Kinn ab, dort bei 75 Prozent, und wuchs nach der Entfernung wieder nach.
Über die Bedeutung wird gestritten: Ein Fallbericht von 2025 mit Literaturübersicht sieht in der Veränderung unter Silikon eine Remodellierung mit Knochenneubildung und hält die Sorge darüber für überzogen. Bei beiden Lesarten bleibt dieselbe Ausnahme stehen: Eine fortschreitende Resorption, in einem Fall bis zu freiliegenden Zahnwurzeln, ist nur bei Patienten mit Lippeninkompetenz dokumentiert. Auch ein schwerer Knochenabbau unter einem ePTFE-Implantat wurde der Mentalis-Hyperaktivität und nicht dem Material zugeschrieben.
Bleibt der verlagerte Knochen an seiner neuen Stelle?
Ein mit einer Platte fixiertes Kinnsegment rutscht um einen Bruchteil eines Millimeters zurück und hält dann. In einer Übersichtsarbeit zur Stabilität der Genioplastik ergab eine mittlere Vorverlagerung von 7,04 mm einen Rückgang von 0,69 mm bis zum sechsten Monat. Bei zehn im Fernröntgenbild verfolgten Patienten mit Vorverlagerung baute sich am verlagerten Segment im Mittel 0,85 mm Knochen ab, berichtet als 10,7 Prozent.
Auch in der Senkrechten hält das Segment. Vierzig vertikale Reduktionsgenioplastiken, zusammen mit einer Unterkieferrückverlagerung ausgeführt und bis zwölf Monate gemessen, ergaben eine Drift am Menton von 0,22 mm. Das Weichteilkinn verkürzte sich dabei um rund 0,59 mm je Millimeter entferntem Knochen.
Der Rückgang streut allerdings erheblich. In der systematischen Übersichtsarbeit zu 1126 Patienten mit Mikrogenie liegt er für die Osteotomie zwischen 2,63 und 27,21 Prozent. In einer Übersichtsarbeit, die nur Studien mit mindestens einem Jahr Nachbeobachtung aufnahm, waren nach drei Jahren die Weichteile stärker zurückgegangen als das Hartgewebe; ab zwei Jahren lagen sie bei 0,77 bis 0,91 der knöchernen Vorverlagerung.
Warum folgen die Weichteile dem Knochen enger als einem Implantat?
Die Weichteile über dem Kinn folgen einem verlagerten Knochen enger als einem aufgelegten Implantat, und dazu gibt es Zahlen. In einer systematischen Übersichtsarbeit zu 1126 Patienten mit Mikrogenie wurden 740 mit einer Osteotomie und 386 mit einem Implantat operiert. Dabei erreichte die knöcherne Bewegung nach Genioplastik zu 85 Prozent und nach Implantat zu 66 Prozent die Oberfläche. Bei einer Gegenüberstellung von 34 Osteotomien und 42 Implantaten fanden die Autoren bei gleicher Morbidität eine besser vorhersagbare Weichteilreaktion nach der Osteotomie und einen stärker verbesserten zervikomentalen Winkel. Das submentale Fett rührt keine der beiden Operationen an; darum geht es im Beitrag zum Doppelkinn zwischen Fettabsaugung und Halsstraffung.
Die Richtung zählt mit: Nach vorn folgt das Weichteil-Pogonion der Verlagerung mit rund 0,9:1, nach hinten nur mit etwa 0,5:1. Über die Streuung sagt der Mittelwert nichts: Bei 31 Unterkiefervorverlagerungen, davon 17 mit zusätzlicher Genioplastik, lag das Verhältnis am Pogonion bei 0,9:1 mit einer Streuung von plus/minus 2,6 mm.
Weichteile können Knochen auch ersetzen. Holdaway beschrieb 1984, dass eine dicke Weichteildecke am Kinn das untere Gesichtsprofil ausgleichen kann und für die Kinnposition eine große Bandbreite akzeptabel ist. Bewertet wurden später Silhouetten an der E-Linie, also an der Linie von der Nasenspitze zum Weichteilkinn. Die Attraktivität fiel erst ab, wenn die Lippen 12 bis 16 mm hinter dieser Linie oder 0 bis 4 mm davor lagen. Ein abgesunkenes Kinnpolster gehört nicht in diese Betrachtung, sondern zum Absinken der Weichteile über die Jahrzehnte; ein knöchernes Kinn hebt es nicht an.
Wo liegt der Nervus mentalis, und wie geht die Genioplastik an ihm vorbei?
Der Nervus mentalis verlässt den Unterkiefer durch das Foramen mentale unterhalb der Prämolaren und versorgt Unterlippe und Kinn mit Gefühl. Die sichere Osteotomielinie liegt tiefer unter diesem Austritt, als die klassische Regel angibt.

Die Regel, mindestens 6 mm unter dem Foramen zu schneiden, stammt aus 52 im Jahr 1992 geröntgten Unterkieferhälften. Eine DVT-Studie an 317 Patienten und 634 Unterkieferhälften zeigte etwas anderes: Der Canalis alveolaris inferior senkt sich im Mittel 3,44 bis 4,42 mm unter das Foramen, bevor er wieder zu ihm aufsteigt. Ein Schnitt bei den empfohlenen 5 bis 6 mm kreuzte diesen Kanal noch in 9,9 Prozent. Bei 7,06 mm lag das Risiko bei 2,5 Prozent. Weiter abgesenkt waren es 0,5 Prozent bei 8,01 mm und 0,0005 Prozent bei 9,12 mm.
Der Nerv läuft zusätzlich über seinen eigenen Austritt hinaus nach vorn. Vermessen wurde diese vordere Schleife (anterior loop) in zahnärztlichen DVT-Studien, die für die Planung von Zahnimplantaten angefertigt wurden und nicht für die Genioplastik. Gefunden wurde sie bei 85,2 Prozent von 732 Unterkieferhälften, im Mittel 1,46 mm. Eine zweite Auswertung kam auf 67,8 Prozent von 612 Hälften, im Mittel 3,3 mm und bis zu 7,3 mm, eine dritte auf 47,2 Prozent von 109 Aufnahmen. In keiner dieser Arbeiten steht eine Verletzungsrate für die Genioplastik.
Dokumentiert ist dagegen die Erholung: Fünfzig Patienten, ein Jahr oder länger nach der Operation getestet, hatten keine bleibende Anästhesie. Objektiv hypästhetisch waren 17 Prozent nach Genioplastik ohne sagittale Spaltung und 40 Prozent nach zusätzlicher sagittaler Spaltung des Unterkiefers, doch als beeinträchtigend bewertete kein Patient die Veränderung. In einer systematischen Übersichtsarbeit über 39 Arbeiten und mehr als 3104 Implantatpatienten fanden sich 0,4 Prozent Parästhesie nach Silikon und 20,1 Prozent nach porösem Polyethylen; nach Material unterschied sich dort sonst keine Komplikation. In einer Gruppe von 80 Patienten, in der beide Operationen direkt verglichen wurden, unterschied sich die neurosensorische Störung nicht (P = 0,137).
Genioplastik, Kinnimplantat und Kinnfiller auf einen Blick
Die Genioplastik verlagert den Kinnknochen in jede Richtung. Ein Kinnimplantat trägt auf diesem Knochen nur nach vorn auf, Hyaluronsäure in kleinerem Umfang; weitere Wege zum Kinnaufbau gibt es nicht. Jede Zeile der Tabelle ist ein Knochenbefund, und in der letzten Spalte steht, wie weit das jeweils andere Verfahren bei diesem Befund reicht.
| Kinnbefund | Was das heißt | Was dabei hilft | Wie weit das Übrige reicht |
|---|---|---|---|
| Kleines Kinn, Klasse-I-Biss, Rücklage von wenigen Millimetern | rein sagittal zu wenig | Hyaluronsäure als Vorschau, Kinnimplantat oder Vorverlagerung des Kinnsegments (sliding genioplasty) | Hier reicht jedes der drei heran; die Wahl betrifft die Dauerhaftigkeit |
| Kleines Kinn mit größerer Rücklage | mehr, als ein Implantat vorhersagbar hebt | Vorverlagerung des Kinnsegments | Ein großes Implantat bleibt darunter; in der Gegenüberstellung von 1990 mit 76 Patienten galten Implantate vor allem bei älteren Patienten mit geringgradiger Mikrogenie als gerechtfertigt |
| Kleines Kinn mit Lippeninkompetenz | der Mentalis arbeitet, um die Lippen zu schließen | Vorverlagerung des Kinnsegments | Ein Implantat reicht hier nicht, wie die Fallserie mit sechs Patienten und fortschreitendem Knochenabbau zeigt |
| Langes Kinn, vertikaler Überschuss | zu viel Knochen von der Lippe bis zur Unterkante | vertikale Verkürzung, ein waagerechter Streifen wird entnommen | Alles Aufgelegte wirkt in die Gegenrichtung; Hyaluronsäure und Implantate verlängern das Kinn |
| Kurzes Kinn, zu wenig Höhe | zu wenig Knochenhöhe von der Lippe bis zur Unterkante | vertikale Verlängerung, das Segment wird nach unten verschoben | Ein Implantat baut nach vorn auf und nicht nach unten |
| Breites oder kantiges Kinn | die Breite läuft über die Kinnhöcker (mental tubercles) | T-Osteotomie zur Verschmälerung, ein mittlerer Streifen wird entnommen | Hyaluronsäure an der Spitze macht das Kinn länger statt schmaler; die Wangenfettentfernung wirkt oberhalb des Kinns |
| Asymmetrisches Kinn | der Mittelpunkt steht neben der Mittellinie, meist ist die linke Seite schwächer | beide Seiten unterschiedlich weit verlagert oder das Segment gedreht | Ein Standardimplantat ist herstellungsbedingt symmetrisch |
| Klasse-II-Biss mit Overjet | der ganze Unterkiefer liegt zurück | kieferorthopädisch-kieferchirurgische Abklärung zuerst | Eine Kinnoperation als erste Antwort verändert das Profil und nicht den Biss |
| Kinn, in dem bereits Hyaluronsäure liegt | Material liegt in der Operationsebene | zuerst auflösen | Nachlegen oder hindurch operieren geht an dem Material vorbei, das dort schon liegt |
Wie ich zwischen Knochenverlagerung, Kinnimplantat und Hyaluronsäure entscheide
Ich entscheide nach dem Knochen, und dafür brauche ich ein Röntgenbild; ein Foto genügt mir dazu nicht.
Welche vier Messungen ich vor der Wahl des Verfahrens erhebe
An Profilaufnahme und DVT messe ich vier Werte: die sagittale Lage des Pogonion, die vertikale Höhe des Kinns, die Breite über die Kinnhöcker und die Abweichung des Kinnpunkts von der Mittellinie. Ein seitliches Fernröntgenbild oder eine DVT lasse ich bei jedem Genioplastik-Patienten anfertigen, und ich plane den Schnitt in Millimetern vom Nervkanal aus.
Danach prüfe ich den Biss am Behandlungsstuhl und werte einen Klasse-I-Biss mit kleinem Kinn als Kinnproblem, das in mein Fach gehört. Bei einem Klasse-II-Biss mit Overjet nenne ich den Unterkiefer als Ursache und überweise zur kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Abklärung, bevor ich eine Kinnoperation als Kompromiss anbiete. Ein nach vorn verlagertes Kinn unter einem weiterhin zurückliegenden Unterkiefer verändert das Profil, nicht den Biss.
Zuletzt prüfe ich den Lippenschluss, also ob die Kinnhaut dabei oder schon in Ruhe dellt. Dellt sie, setze ich kein Implantat, denn in der Sechs-Patienten-Serie ging genau dieser Befund mit einem fortschreitenden Knochenabbau einher. Stattdessen biete ich die Osteotomie an.
Wie ich die Osteotomie ausführe und wo der Schnitt liegt
Ich gehe von innen vor, durch die Schleimhaut der Unterlippe, und lasse am Knochen eine Manschette des Mentalis stehen, um den Muskel am Ende wieder daran zu nähen. Vor dem Sägeschnitt stelle ich beide Nervi mentales dar und schütze sie.
Den waagerechten Schnitt markiere ich auf der DVT, mindestens 7 mm unter dem tiefsten Punkt jedes Foramen mentale, nicht 5 mm. Ich stütze mich dabei ausdrücklich auf die DVT-Serie mit 634 Unterkieferhälften. Bei 5 bis 6 mm kreuzt der Schnitt den Kanal noch in etwa einer von zehn Hälften, bei 7,06 mm liegt das Risiko bei 2,5 Prozent.
Für die Vorverlagerung fixiere ich das Segment mit einer Titanplatte mit Stufe und monokortikalen Schrauben. Die Platte bleibt liegen, es sei denn, sie ist durch die Haut tastbar oder infiziert sich. Soll das Kinn schmaler werden, nehme ich die T-Osteotomie: Ich setze den waagerechten Schnitt, entnehme einen senkrechten Streifen aus der Mitte und führe beide Hälften zusammen, bevor ich sie fixiere. Verschmälernde Genioplastiken sind in ostasiatischen Bevölkerungen häufig, wie es eine Serie von 117 Patienten mit einer verschmälernden Gleitosteotomie formuliert, mit geringgradigen Komplikationen bei 6,0 Prozent. In dieser Arbeit wurde allerdings ein anderer Verschmälerungsschnitt verwendet als bei mir.
Für eine vertikale Verkürzung entnehme ich einen waagerechten Knochenstreifen. Bei einer vertikalen Verlängerung verschiebe ich das Segment nach unten und fülle den offenen Spalt mit Knochen auf. Bei einer Kinnasymmetrie verlagere ich beide Seiten unterschiedlich weit oder drehe das Segment; die meisten Kinne sind auf der linken Seite schwächer. Eine 3D-geführte Arbeit an acht Asymmetrien erreichte nach sechs Monaten eine Abweichung des Kinnpunkts von 0,63 ± 0,19 mm.
Beim Wundverschluss hefte ich den Mentalis wieder an seine Manschette. Der Grund steht in einer Arbeit an 29 intraoralen Genioplastiken: Das Lösen des Mentalis erhöhte die Sichtbarkeit der unteren Schneidezähne im Mittel um 1,88 mm, am stärksten nach vertikaler Verkürzung. Die Wiederanheftung ist mein eigenes Mittel dagegen; geprüft hat aber keine Studie, ob sie das Absinken verhindert.
Wann ich trotzdem ein Kinnimplantat setze
Ein Implantat setze ich nur, wenn fünf Bedingungen zusammenkommen. Die Rücklage ist rein sagittal und beträgt wenige Millimeter, der Biss ist Klasse I, und die basale Kortikalis zeigt sich in der DVT dick. Dazu kommen Lippen, die ohne Anspannung des Kinnmuskels schließen, und ein Patient, der von beiden Wegen gehört hat und die Osteotomie ablehnt.
Ich lege das Implantat tief, auf den Basalknochen, nie über Alveolarknochen. In der Fernröntgen-Serie von 1976 wie in der CT-Studie von 2024 fiel der Abbau bei tiefer Lage geringer aus. Ich fixiere mit Schrauben, denn in einer Serie von 46 schraubenfixierten Implantaten aus porösem Polyethylen verhinderte die Schraubenfixierung ein Verschieben und beseitigte Spalten zwischen Implantat und Skelett. Eine Infektion trat dabei nicht auf.
Das Material wähle ich mit dem Patienten, und beide Zahlen liegen dabei auf dem Tisch. Bei Silikon sind es 0,4 Prozent Parästhesie, bei porösem Polyethylen 20,1 Prozent, dazu kommt der CT-Befund, nach dem Silikon stärker zum Knochenabbau neigte. Vor der Einwilligung sage ich jedem Implantatpatienten, dass der Knochen darunter remodelliert, meist geringgradig und klinisch stumm, und dass eine Kinnaufnahme alle paar Jahre dazugehört.
Wann eine Unterspritzung des Kinns der richtige erste Schritt ist
Hyaluronsäure setze ich als Vorschau ein und halte die Menge klein, bei etwa 1 bis 2 ml. Das ist meine eigene Grenze und keine Zahl aus einer Studie. Ich lege das Depot in der Mittellinie direkt auf den Knochen, unterhalb der Arteria mentalis ascendens, und nie in den Mentalis hinein.
Eine Kadaverstudie an 31 Gesichtern fand, dass diese Arterie 5,64 ± 4,34 mm neben der Mittellinie in das Kinn eintritt. Die Eintrittstiefe lag bei 4,15 ± 1,95 mm und damit innerhalb der Muskelebene, sodass Material auf dem Periost unter dieser Arterie liegt. Material im Mentalis liegt in ihrer Ebene, also in einem Muskel, der sich bei jedem Lippenschluss bewegt. Was dabei mit Hyaluronsäure geschieht, steht im Beitrag zur Wanderung von Lippenfiller.
Ich biete das den Patienten an, die bei der Osteotomie noch unentschlossen sind. Ich lehne es ab, wenn die Rücklage mehr als wenige Millimeter beträgt oder wenn das Problem vertikal, in der Breite oder in der Asymmetrie liegt. Liegt im Kinn bereits Hyaluronsäure, löse ich sie zuerst auf.
Wer sich in Deutschland unterspritzen lässt, sollte etwas wissen, das im koreanischen Alltag keine Rolle spielt. Hyaluronidase (Hylase „Dessau“) ist in Deutschland derzeit faktisch nicht verfügbar. Die Produktion wurde eingestellt, das BfArM führt einen Lieferengpass, und ein gleichwertiger Ersatz existiert nicht. Das Auflösen von Filler ist zusätzlich eine Off-Label-Anwendung, denn die deutsche Zulassung des Präparats betrifft die örtliche Betäubung in der Augenchirurgie. Prüfen Sie diesen Stand, bevor Sie sich entscheiden.
Was Hyaluronsäure am Kinn leistet, ist als Stufe auf einer Skala dokumentiert und nicht als Millimeter Projektion. Nach Angaben des Herstellers wurde Juvéderm Voluma XC am 15. Juni 2020 für das Kinn zugelassen, nach Angaben von Galderma Restylane Defyne am 1. Februar 2021; zuständig war jeweils die Zulassungsbehörde der Vereinigten Staaten.
Die Zulassungsstudie zu Voluma umfasste 192 Patienten. In der Beurteilung nach Fotografien besserten sich 56,3 Prozent der Behandelten gegenüber 27,5 Prozent der Kontrollen um mindestens eine Skalenstufe nach sechs Monaten. In der Beurteilung am Patienten selbst kamen dieselben Behandelten auf 91,8 Prozent Ansprechen, und der Nutzen war nach zwölf Monaten weiterhin erkennbar.
Die Defyne-Studie mit 107 behandelten gegenüber 33 unbehandelten Patienten ergab 81 Prozent Ansprechen in Woche 12 und 74 Prozent in Woche 48. Eine chinesische Studie zum selben Präparat kam auf 81 Prozent nach sechs Monaten und 61 Prozent nach zwölf. Eine Studie zu einem dritten Präparat verglich 150 behandelte mit 50 unbehandelten Patienten und kam auf 70 und 54,67 Prozent.
Drei Vorbehalte gehören zu diesen Zahlen, und der erste ist, dass keine Studie die drei Verfahren an einer gemeinsamen Patientengruppe verglichen hat. In den Fillerstudien wurde eine Skalenstufe nach sechs und zwölf Monaten gemessen und kein Millimeter Projektion, und jede dieser Zahlen ist eine Ansprechrate und keine Wirkdauer.
Welcher dieser sechs Befunde ist Ihrer?
27 Jahre, 4 mm sagittale Rücklage, Klasse-I-Biss, die Lippen schließen entspannt, möchte es vorher sehen. Für diesen Befund ist Hyaluronsäure auf dem Knochen der sinnvolle erste Schritt, 1 bis 2 ml als Vorschau. Zwischen Osteotomie und Implantat entscheidet er danach, und bis dahin hat er das Ergebnis im Spiegel gesehen.
33 Jahre, 9 mm Kinnrücklage, die Kinnhaut dellt schon in Ruhe. Hier schließen zwei Befunde das Implantat aus. Die Rücklage geht über die geringgradige Mikrogenie hinaus, die ein Implantat vorhersagbar ausgleicht, und der Mentalis arbeitet dagegen. Die Vorverlagerung des Kinnsegments löst beides.
30 Jahre, breites, kantiges Kinn, fragt nach einer Unterspritzung, um es spitzer zu machen. Hyaluronsäure baut nach vorn und nach unten auf, sodass das Kinn länger wird statt schmaler. Gegen die Breite hilft die T-Osteotomie mit dem entnommenen Mittelstreifen.
41 Jahre, langes Kinn, das untere Gesicht zeigt zu viel Zahn und Zahnfleisch. Einen vertikalen Überschuss behebt die Entnahme eines waagerechten Knochenstreifens; nichts Aufgelegtes verkürzt ein Kinn.
24 Jahre, Klasse-II-Biss, 7 mm Overjet, fragt nach einem Kinnimplantat. Dieses Kinn steht wahrscheinlich richtig, der Unterkiefer darunter nicht. Zuerst steht die kieferorthopädisch-kieferchirurgische Abklärung an, erst danach die Frage nach dem Kinn.
52 Jahre, altes Silikonimplantat, eine neue Stufe im Profil, Taubheitsgefühl in der Unterlippe. Am Anfang steht hier eine Röntgenaufnahme. In einer Revisionsserie mit 98 Silikon-Kinnimplantaten war der Knochenabbau der häufigste Revisionsgrund, und sieben Revisionen bestanden aus der Entfernung mit anschließender Vorverlagerung des Kinnsegments, genauso viele, wie ein individuell gefertigtes Implantat erhielten. Der Plan in diesem Fall ist die Entfernung mit Vorverlagerung.
Wie verläuft die Heilung nach Genioplastik, Kinnimplantat und Unterspritzung?
Nach einer Genioplastik bestimmt das Taubheitsgefühl den Verlauf. Die meisten Gefühlsveränderungen bilden sich binnen ein bis drei Monaten zurück.
321 koreanische Patienten erhielten eine verschmälernde und vertikal verkürzende Genioplastik zusammen mit einer Konturierung des Unterkiefers, und 87 von ihnen hatten eine vorübergehende Gefühlsveränderung, von der sich alle binnen drei Monaten erholten. In einer Split-Mouth-Studie mit 20 Patienten blieb je eine Kinnseite unbehandelt. Nach vier Monaten testeten beide Seiten noch unterschiedlich, nach zwölf Monaten hatten sie sich angeglichen.

Rund einer von zehn behält nach einem Jahr eine objektive Veränderung: 17 Prozent in der Sensibilitätsprüfung, 7,4 bis 12,5 Prozent in der direkten Vergleichsübersicht, und als beeinträchtigend galt keine davon. Die knöcherne Durchbauung prüfe ich nach sechs Monaten am Röntgenbild, so wie es für die Heilung nach einer T-Osteotomie beschrieben ist.
Bei 262 Patienten mit einer Genioplastik innerhalb kombinierter kieferchirurgischer Eingriffe musste keine Kinnplatte entfernt werden, und das Kinn war einmal Infektionsort. Für die isolierte Genioplastik ist keine Rate publiziert. Von 105 intraoral eingesetzten ePTFE-Implantaten, ein Jahr lang verfolgt, zeigten 14,3 Prozent geringgradige Komplikationen, sämtlich verlängerte Schwellung, vorübergehende Hypästhesie der Unterlippe oder leichte Asymmetrie. Nach einer Unterspritzung traten in der Voluma-Zulassungsstudie Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle bei 81,1 Prozent und Verhärtung bei 75,1 Prozent auf.
Mein Protokoll nach einer intraoralen Osteotomie steht in keiner Studie: weiche Kost und Kinnband für je eine Woche, und nach zwei Wochen sind Sie gesellschaftsfähig. Diese zwei Wochen planen Sie am besten mit ein, und wie lange der Aufenthalt nach einer Operation in Korea insgesamt dauert, steht im Beitrag dazu.
Was ich nach einer Kinnberatung am häufigsten sage
Aus der Praxis: zuerst der Befund, dann das Verfahren
Das Kinn ist ein Knochen, und dieser Knochen hat eine Lage. Ein Implantat liegt darauf, ohne je ein Teil von ihm zu werden. Ich verlagere den Knochen aus zwei Gründen lieber, als etwas darauf zu legen: Die Weichteile folgen einem verlagerten Knochen enger als einem aufgelegten Implantat, und darunter baut sich der Knochen weiter um, solange das Implantat dort liegt. Am häufigsten hilft in dieser Beratung aber ein Satz, in dem gar keine Operation vorkommt. Er lautet, dass das Kinn regelrecht steht und der Unterkiefer zurückliegt.
Welche Risiken bringen Genioplastik, Kinnimplantat und Kinnfiller mit sich?
Implantate infizieren sich häufiger als Osteotomien, dafür kommt es nach einer Osteotomie häufiger zu einem Taubheitsgefühl. Und eine Unterspritzung kann ein Gefäß verschließen.
Von 1048 Osteotomiestellen bei kieferchirurgischen Patienten infizierten sich fünf, also 0,5 Prozent, davon eine an einem Kinn, und kein Osteosynthesematerial wurde wegen einer Infektion entfernt. Bei einzelnen Implantatserien liegen die Zahlen niedrig: eine Infektion, 0,91 Prozent, bei 110 Kinnaufbauten mit porösem Polyethylen, keine bei den 46 schraubenfixierten Implantaten von 2003. Eine Metaanalyse über 48 Studien und 4139 Gesichtsimplantate ergab eine Gesamtkomplikationsrate von 10,7 Prozent über alle Regionen. Zusammengerechnet waren es 2,78 Prozent für Silikon, 2,48 Prozent für poröses Polyethylen und 1,02 Prozent für Calciumhydroxylapatit.
Gegenüber der Osteotomie fällt der Vergleich einheitlich aus: In der Übersicht mit 1126 Patienten hatten Implantate höhere Raten an Infektionen und Wundrandöffnungen. In der Gruppe mit 80 Patienten war die Infektion bei Implantaten signifikant häufiger (P = 0,028) und die Zufriedenheit nach Genioplastik höher (P = 0,001).
Zum Risiko wird der Knochenabbau, sobald er zur Revision führt. In der Serie mit 98 Silikonimplantaten hatten 24 Patienten Komplikationen, und der Knochenabbau war die häufigste davon: allein neun waren betroffen, bei dreien hatte sich das Implantat zusätzlich verschoben. Eine Entfernung ist angezeigt, wenn der Abbau Zähne bedroht oder die Sensibilität des Nervus mentalis verändert.
Anders sieht es nach einer Osteotomie aus: In einer französischen Abteilung traten bei 200 Genioplastiken sechs Komplikationen auf. Die Aufzählung dazu reicht von Nervverletzung und Blutung über Knochennekrose und Zahnschaden bis zur Kinnptose, also dem Absinken des Weichteilkinns unter die Knochenunterkante.
Wie ein Gefäßverschluss nach einer Unterspritzung aussieht, zeigen zwei publizierte Fälle. Im ersten Fall drohte eine Nekrose von Kinn und oberem Hals, nachdem Material in die Arteria submentalis gelangt war, behandelt mit vier Gaben Hyaluronidase in den ersten 24 Stunden. Im zweiten Fall trat eine Livedo reticularis einen Tag nach einer Kinninjektion kleinen Volumens auf. Behandelt wurde sie mit 2850 IE Hyaluronidase über 15 Stunden, und bis Tag 21 war sie abgeklungen. Die Autoren halten fest, dass schon minimale Fillermengen einen Gefäßverschluss auslösen können. In der Voluma-Zulassungsstudie hatte ein Teilnehmer von 192, also 0,5 Prozent, zwei behandlungsbedingte schwerwiegende Ereignisse, die beide abklangen.
Vier Punkte sind offen, und alle vier sind Wissenslücken, keine Warnungen. Ob sich die drei Verfahren unterscheiden, hat noch keine Studie an einer gemeinsamen Patientengruppe geprüft. Für die Plattenentfernung nach isolierter Genioplastik fehlt eine Rate, und was Kinnfiller jenseits von etwa einem Jahr tut, ist ebenfalls offen. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2026 über 11 Studien und 876 Patienten fand eine mittlere Nachbeobachtung von 12,8 Monaten und nannte die Langzeitergebnisse unbekannt. Und ob Kinnfiller wandert, hat niemand gemessen.
Welche Frage muss vor der Wahl des Verfahrens geklärt sein?
Zuerst kommen Richtung und Millimeterzahl, erst danach das Verfahren, denn im Spiegel sehen vier ganz verschiedene Kinnformen gleich unbefriedigend aus. Eines muss 4 mm nach vorn, eines ist 3 mm zu lang, eines zu breit, und eines steht neben der Mittellinie. Nur beim ersten dieser vier hilft es, etwas auf den Knochen zu legen.
Drei Fragen ordnen die Beratung. Ist der Biss Klasse I? Welche Ebene ist betroffen, und um wie viele Millimeter geht es laut Aufnahme? Schließen die Lippen in Ruhe, ohne dass der Kinnmuskel arbeitet?
Wer ein Produkt nennt, bevor die Richtung feststeht, wählt aus dem Vorrat und nicht aus der Aufnahme. Derselbe Fehler entsteht immer dann, wenn ein Verfahren vor dem Befund gewählt wird.
Verfasst von Dr. Yongwoo Lee, in Südkorea anerkannter Facharzt für Plastische Chirurgie mit Schwerpunkt Gesichtsanatomie und ästhetische Eingriffe, VIP Plastic Surgery, Südkorea.
Häufige Fragen zur Kinnkorrektur
Ist die Genioplastik dem Kinnimplantat überlegen?
Für die meisten Kinnbefunde ja: Sie verlagert den Knochen in jede Richtung, ein Implantat baut nur nach vorn auf. Bei 1126 Patienten folgten die Weichteile dem verlagerten Knochen zu 85 Prozent und dem Implantat zu 66 Prozent.
Baut ein Kinnimplantat Knochen ab?
Meist etwas, und meist nur geringgradig: In einer Fernröntgen-Serie mit 85 Patienten zeigte über die Hälfte der Silikonimplantate einen Abbau im Röntgenbild. In einer Übersicht über 28 Studien lagen die Mittelwerte unter 2 mm binnen fünf Jahren.
Ist dieser Knochenabbau gefährlich?
Selten: In diesen Serien veränderte sich das Weichteilprofil nicht, und die Patienten hatten keine Beschwerden. Eine fortschreitende Resorption ist nur bei Lippeninkompetenz dokumentiert, also wenn der Kinnmuskel bei jedem Lippenschluss gegen das Implantat arbeitet.
Wie lange hält Hyaluronsäure am Kinn?
Die Studien messen Ansprechraten und keine Wirkdauer. In Woche 48 sprachen 74 Prozent auf Restylane Defyne an, nach zwölf Monaten 61 Prozent in einer chinesischen Studie, 54,67 Prozent mit einem dritten Präparat. Die Angabe von bis zu zwei Jahren, die für Voluma kursiert, betrifft die Wange und nicht das Kinn.
Kann eine Unterspritzung ein breites Kinn schmaler machen?
Nein, denn Hyaluronsäure fügt Volumen hinzu, und ein an der Spitze unterspritztes breites Kinn wird dadurch länger. Schmaler wird es, wenn ein mittlerer Knochenstreifen entnommen und die beiden Hälften zusammengeführt werden.
Kann ein Kinnimplantat ein langes Kinn beheben?
Nein, es baut auf den Knochen auf und kann ihn nicht verkürzen. Ein langes Kinn braucht die vertikale Verkürzung, und die blieb in 40 Fällen, zusammen mit einer Unterkieferrückverlagerung ausgeführt, nach zwölf Monaten skelettal stabil.
Geht nach der Genioplastik das Gefühl verloren?
Vorübergehend bei vielen: Von 321 koreanischen Patienten hatten 87 ein Taubheitsgefühl, und alle erholten sich binnen drei Monaten. Nach einem Jahr war in der Sensibilitätsprüfung bei 17 Prozent noch eine leichte Hypästhesie messbar, die keinen Patienten beeinträchtigte.
Muss die Platte nach der Genioplastik entfernt werden?
Selten, und in meiner Praxis nur, wenn sie durch die Haut tastbar ist oder sich infiziert. Bei 262 kombiniert operierten Patienten wurde keine einzige Kinnplatte entfernt; für die isolierte Genioplastik ist keine Rate publiziert.
Ist ein Kinnimplantat dauerhaft?
Das Implantat ja, der Knochen darunter baut sich aber um, in den meisten Studien mit weniger als fünf Jahren Nachbeobachtung im Mittel unter 2 mm. In einer Arbeit an Kindern wuchs der Knochen nach der Entfernung des Implantats wieder nach.
Kann ein Kinnimplantat entfernt und durch eine Genioplastik ersetzt werden?
Ja, und das ist eine häufige Revision. In einer Serie mit 98 Silikonimplantaten wurde bei sieben der 24 revisionsbedürftigen Patienten das Implantat entfernt und eine Vorverlagerung des Kinnsegments durchgeführt.
Brauche ich statt einer Kinnoperation eine Kieferoperation?
Der Biss entscheidet das: Ein Klasse-I-Biss mit kleinem Kinn ist ein Kinnproblem. Stehen die unteren Zähne bei einem Klasse-II-Biss deutlich hinter den oberen, liegt der ganze Unterkiefer zurück, und das korrigiert eine Genioplastik nicht.
Ist eine Unterspritzung ein guter Test vor der Operation?
Ja, bei einer kleinen sagittalen Rücklage setze ich ihn genau dafür ein. Ein Kinnaufbau mit 1 bis 2 ml auf dem Knochen zeigt über Monate ein volleres Kinn, lange genug für die Wahl zwischen Osteotomie und Implantat. Eine Verschmälerung, eine Verkürzung und eine Asymmetriekorrektur lassen sich damit nicht vorwegnehmen.
Was ist eine T-Osteotomie?
Eine verschmälernde Genioplastik: Ein waagerechter Schnitt löst das untere Kinnsegment, ein mittlerer Streifen wird entnommen, und die beiden Hälften werden zusammengeführt und fixiert. Bei den 321 koreanischen Patienten, die eine verschmälernde und vertikal verkürzende Genioplastik über den Mittelstreifen erhielten, wurden keine schweren Komplikationen berichtet. Das vorübergehende Taubheitsgefühl bei 87 von ihnen bildete sich binnen drei Monaten zurück.
Woran erkenne ich, ob mein Kinn klein ist oder mein Unterkiefer zurückliegt?
Beißen Sie die Backenzähne zusammen und sehen Sie sich die Frontzähne an: Stehen die unteren deutlich hinter den oberen, liegt der ganze Unterkiefer zurück. Treffen die Zähne normal aufeinander und wirkt das Kinn trotzdem schwach, ist das Kinn selbst klein.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bevor Sie sich für einen operativen oder nicht operativen Eingriff entscheiden, lassen Sie sich fachärztlich beraten.
